Die transformative Kraft der Musik – Eine Symphonie für Körper, Geist und Seele!

Musik ist mehr als nur eine Abfolge von Tönen und Rhythmen. Sie ist ein tiefgreifendes soziales Konstrukt, das Menschen durch gemeinsames Musizieren verbindet und synchronisiert. Musik ist mehr als nur eine Kombination von Tönen –Musik öffnet uns, indem Sie unsere Emotionen anspricht, sei es durch die Euphorie, etwas Neues zu lernen, die Freude am gemeinsamen Üben und Lernen, die beflügelnde Dynamik der Gruppe oder die beruhigende oder aktivierende Wirkung, die Musik auf uns Menschen hat.

Die Wissenschaft hinter dem Hören

Musik, so faszinierend sie auch ist, besteht nur aus Schwingungen in der Luft – also sozusagen einfach Luftmolekülen, die „wackeln“. Unser äußeres Ohr fängt diese Schwingungen wie ein Trichter auf und leitet sie übers Mittelohr ins Innenohr weiter. Im Mittelohr treffen sie auf eine «gespannte Membran», das Trommelfell, das in Schwingung versetzt wird. Ja und gleich auf der anderen Seite dieser Membran sind die Gehörknöchelchen (Hammer, Amboss und Steigbügel), welche die Schwingung verstärken und zum Innenohr weiterleiten, sprich zur Gehörschnecke. Diese ist ein komplexes System aus Hohlräumen, Flüssigkeiten und Sinneszellen, und wandelt die mechanischen Wellen in elektrische Signale um, die über Nervenfasern zu unseren Hörbahnen und letztlich ins Gehirn geleitet, wo sie im primären auditorischen Cortex ankommen.

Aber das ist nur der Anfang. Musik aktiviert verschiedene Bereiche unseres Gehirns: das motorische System durch den Rhythmus, das Hörzentrum durch den Klang und die Sprachzentren durch die Melodie. Vergessen wir nicht die emotionale Qualität der Musik, welche unsere Erinnerungen aktiviert und unser Denken lenkt.

Binaurale Beats – Das Multitalent unter den Beats?

Binaurale Beats sind weit mehr als nur Klänge – sie sind ein mächtiges Werkzeug, das tief in unser mentales und emotionales Wohlbefinden eingreift. Oft in der Meditation, bei der Stressbewältigung und zur Verbesserung des Schlafs angewandt, entfalten diese speziellen Frequenzen ihre Wirkung auf eindrucksvolle Weise. Sie helfen, Angstzustände zu reduzieren, die Stimmung zu heben und die kognitive Leistungsfähigkeit zu verbessern. Viele Menschen berichten von einer gesteigerten Konzentration und einem tieferen Gefühl der Entspannung nach dem Hören dieser Klänge.

Obwohl die Forschung noch in den Kinderschuhen steckt, gibt es bereits vielversprechende Studien, die die positiven Effekte von binauralen Beats auf das Gehirn belegen. Diese Studien zeigen, dass binaurale Beats die Neuroplastizität fördern können – die Fähigkeit des Gehirns zur Anpassung und Veränderung. Dies bedeutet, dass unser Gehirn durch diese Klänge unterstützt wird, flexibler und anpassungsfähiger zu reagieren.

Was sind binaurale Beats?

Man könnte sagen, es handelt sich bei den binauralen Beats um einen akustischen Trick des Gehirns, vielleicht sogar eine Art auditive Halluzination. Denn letztlich hört man etwas, das gar nicht da ist. Das Phänomen tritt auf, wenn man sich einen Kopfhörer aufsetzt und links und rechts zwei unterschiedlich hohe Töne auf die Ohren spielt, so dass das Gehirn die Differenz als dritten Ton, den binauralen Beat, wahrnimmt. Es handelt sich hierbei um eine Klangtechnologie, die das Gehirn in verschiedene Bewusstseinszustände versetzen kann. Wie sieht dies die Wissenschaft?

Die Idee der Wirkung – Unsere Gehirnwellen «gehen mit»?

Ja, in unserem Gehirn gibt es verschiedene Gehirnwellen und je nach unserem jeweiligen Zustand – ob wir gerade schlafen oder hochkonzentriert arbeiten –, treten mal langsamere Wellen und mal schnellere Wellen auf. Hier ein kurzer Überblick:

    • Delta-Wellen (1-4 Hz): Tiefschlaf
    • Theta-Wellen (4-8 Hz): Unaufmerksamkeit, Müdigkeit, leichte Schlafzustände
    • Alpha-Wellen (8-14 Hz): Entspannter Wachzustand
    • Beta-Wellen (14-30 Hz): Normaler, aktiver Wachzustand. Treten auch im REM-Schlaf auf.
    • Gamma-Wellen: Über 25 Hertz. Wohl beim Zusammenführen von Informationen verschiedener Gehirnbereiche wichtig. Beteiligt bei intensiven und konzentrierten Aufmerksamkeits- und Bewusstseinsprozessen.

Die Idee hinter den Effekten der binauralen Beats ist, dass man mit der hervorgerufenen Schwingung auch andernorts im Gehirn Gehirnwellen gleicher Frequenz hervorrufen kann. Sprich wenn wir also binaurale Beats hören, synchronisieren sich unsere Gehirnwellen mit der Frequenz des erzeugten Beats. Ursprung dieser Idee kam von US-amerikanischen Geschäftsmann und Radio-Programmdirektor Robert Allen Monroe.

Für Christoph Reuter, Professor für systematische Musikwissenschaft an der Universität Wien klingt dies unschlüssig und wenn diese einmal auftritt, ist dies für uns sogar eher ungesund wie zum Beispiel bei einem epileptischen Anfall.

Schlüsselmomente meiner Praxiserfahrung

Musik beeinflusst unsere Gefühle und unsere Stimmung, denn sie nimmt uns mit auf eine Reise in unser Innenleben, in unsere Vergangenheit und lässt unsere Hormone «tanzen“! Auf unser Gehirn wirkt Musik wie ein emotionaler Code. Bestimmte Melodien, Rhythmen und Harmonien aktivieren bestimmte Bereiche im Gehirn und setzen eine Kaskade biochemischer Reaktionen in Gang.

Hören wir unsere Lieblingsmusik wird Dopamin unser Glückshormon ausgeschüttet: Deshalb können uns die ersten Takte eines geliebten Songs in Euphorie versetzen und schlechte Laune im Handumdrehen vertreiben. Auch das «Kuschelhormon» Oxytocin wird ausgeschüttet und wir spüren Verbundenheit und Vertrauen, wenn wir in einem Konzert sitzen oder gemeinsam im Chor singen. Insbesondere die Auswirkungen auf unser Stresshormon Cortisol, sind gut erforscht: Stimulierende Musik führt zu einer Erhöhung des Cortisolspiegels, während beruhigende Musik ihn senkt. Musik ist ein emotionaler Auslöser, weil sie die die Fähigkeit besitzt Erinnerungen zu aktivieren. Warum, weil sie tiefe emotionale Spuren in unserem Gedächtnis hinterlassen kann.

Mein Tipp: Stellen Sie sich ihren persönlichen Soundtrack zusammen oder ihre Stimmungsplayliste – eine Sammlung von Songs, welche Ihnen Trost, Ruhe und Kraft Power oder einfach gute Stimmung vermittelt und habe Sie diese immer «hörbereit» –  Sie werden staunen, was für therapeutischen Ressourcen in ihrer persönlichen Hitliste stecken!

Updates aus Forschung & Wissenschaft – Musik im Einsatz der Medizin

    • Prof. Stefan Kölsch, Instrumentalmusiker, Psychologe und Neurowissenschaftler, erforscht die heilende Kraft der Musik. Seit 2015 lehrt er an der Universität Bergen und beschreibt in seinem Buch „Good Vibes“ (2019), wie Musik bei verschiedenen Erkrankungen wie Schlaganfall, Alzheimer, Parkinson, Autismus, chronischen Schmerzen, Suchtproblemen, Depressionen und Schlafstörungen hilft. Musik aktiviert das Belohnungssystem des Gehirns und fördert die Ausschüttung von Glückshormonen wie Dopamin und Oxytocin, was das Wohlbefinden steigert.
    • Prof. Gunter Kreutz zeigte in einer Studie (2013), dass wöchentliches Singen in einem Chor das Wohlbefinden signifikant verbessert und das Immunsystem stärkt, was durch erhöhte Oxytocin- und Immunglobulin-A-Spiegel belegt wurde. Interessante Tradition: In allen Kulturen werden weinende und verängstigte Kinder durch das Singen beruhigt…!
    • Vera Brandes, ehemalige Leiterin des Forschungsprogramms für Musik Medizin an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg, verwendet Musik, die auf natürlichen Regulationsmechanismen des Körpers basiert, gezielt zur Therapie von Depressionen und anderen Erkrankungen. Ihre Methode, eine „chronobiologisch basierte, musikfokussierte auditive Stimulationsmethode“, hat gezeigt, dass Musik die Organfunktionen verbessern kann und positiv auf die Herzfrequenzvariabilität wirkt, die als Indikator für den Schweregrad der Depression dient. Brandes sieht Musik als ein therapeutisches Werkzeug, wie ein Medikament und wendet es präzise in der Patientenversorgung an. Ihre Forschung unterstreicht, wie musikalische Rhythmen den Organismus beeinflussen und die natürlichen Körperrhythmen synchronisieren können, um Harmonie und Ausgeglichenheit im Körper zu fördern.